Panik vor dem Weltuntergang

Heute morgen habe ich in der Regionalzeitung Taunus Zeitung einen kleinen Artikel gelesen, bei dem ich schmunzeln mußte. Es ging über den nicht stattfindenden Weltuntergang am 21.12. 2012 und die Panik, die wohl ein als Scherz gemeinter Zeitungsartikel in Russland und der Ukraine auslöste. Was dort beschrieben steht, gilt aber auch für Deutschland. Da wird von Hamsterkäufen berichtet und dass sich die Menschen in Bunkern verziehen. Windige Geschäftsleute nutzen die Angst vor dem Weltuntergang aus, Politiker versuchen zu beschwichtigen und selbst die orthodoxe Kirche meldet sich zu Wort, mit einer nicht wirklich beruhigenden Botschaft:

„Das Ende der Welt wird natürlich kommen, und das kann zu jedem beliebigen Moment geschehen“, sagte der einflussreiche Geistliche Wsewolod Tschaplin. Aber am 21. Dezember sei es noch nicht so weit, schob er gleich hinterher.

Das ist doch sehr beruhigend. Der Weltuntergang kann also jeden Moment kommen, aber der Priester versichert uns gleich, dass er sicher nicht am 21.12. kommt. Schön, wenn man sich selber widerspricht und es wohl nicht mal merkt.

Auch nicht wirklich beruhigend dürfte die Botschaft von Russlands Zivilschutzminister Putschkow:

Er habe eindeutige Informationen vorliegen, nach denen die Apokalypse nicht am 21. Dezember eintreten werde, verkündete Zivilschutzminister Wladimir Putschkow. „Es ist absolut bewiesen, dass globale Katastrophen nur im Abstand von etwa 10 bis 15 Millionen Jahren geschehen“, versuchte Putschkow die Bürger zu beruhigen.

Sowas kann wohl auch nur ein Politiker von sich geben. Die letzte große globale Katastrophe geschah vor etwa 65 Millionen Jahren mit dem Einschlag eines großen Asteroiden auf der Erde, der das Aussterben der Dinosauerier auslöste. Seit dem ist wohl nichts mehr schlimmeres passiert. Es wäre also mal wieder Zeit für einen mächtigen Rums. Aber es gibt keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse, dass globale Katastrophen in regelmäßigen Abständen eintreten. Schon gar nicht durch kosmische Geschoße. (1) Was der russische Zivilschutzminister da von sich gibt ist nicht weniger Blödsinnig wie die ganzen Weltuntergangsgeschichten

Aber die Politik nimmt das Thema wohl sehr ernst.

Angesichts auch solcher Meldungen forderten Parlamentarier die staatlichen TV-Stationen mit Nachdruck auf, „verantwortungsvoller“ mit den Ängsten der Menschen umzugehen. Tausende Betrüger wie selbst ernannte Magier und Hellseher würden das populäre Thema nutzen und vertrauensselige Menschen abzocken, warnten die Abgeordneten.

Fordern kann man ja viel. Besser wäre es, wenn die Politiker die notwendigen Grundlagen schaffen der Verbreitung von Blödsinn entgegen zu treten.

Gleiches würden man sich sicher auch in Deutschland wünschen. Denn auch in den Deutschen Medien wird das Thema gerne ausgeschlachtet und es laufen häufiger Dokumentationen über das Ende der Welt. Das bringt Quote und spült Geld in die Kassen. Und natürlich gibt es auch hier Betrüger, Hellseher, Astrologen und Esoterikgurus, die aus der Weltuntergangsangst ihren monetären Profit zu schlagen versuchen, in dem sie Bücher und Filme auf dem Markt werfen und in Vorträgen und Seminaren ihre pseudowissenschaftlichen Lehren unter Volk bringen. Denen sollte die Politik hier zu Lande einen Riegel vorschieben. Doch lieber fordert man und appeliert an das Verantwortungsbewußtsein anderer, als selber tätig zu werden und aktiv gegen zu steuern.

Gegen all diese Unsinn scheint manchmal nur Ironie zu helfen:

Andere Behördenvertreter versuchen hingegen mit Ironie, die Menschen zu beruhigen. „In einigen Regionen hat das Ende der Welt bereits begonnen – in Städten wie Murmansk oder Norilsk gibt es keine einzige Minute Tageslicht“, sagte Roman Wilfand, der Leiter des Wetterdienstes in Moskau, im Scherz. Dieses Phänomen gebe es aber nördlich des Polarkreises in jedem Jahr. „In Norilsk ist der Weltuntergang nach unseren Berechnungen am 11. Januar vorbei, dann gibt es wieder Licht“, meinte Wilfand.

Doch Aufklärung wäre sicher besser.

Auch hier in Deutschland wirds am 21.12. ungemütlich, wird er doch der Tag an dem die Sonne nur wenige Stunden über dem Horizont und dazu noch sehr tief steht. Das tut sie zwar jedes Jahr zur Wintersonnenwende, aber das geht wohl gerne bei den Weltuntergangsgläubigen vergessen.

Aber eines ist beruhigend, zumindest hier zu Lande. Denn es zeichnet sich ab, dass der Weltuntergang in Esoterikkreisen bereits verlegt oder gar ganz abgesagt wird. Man baut also schon mal vor, falls am 21.12. 2012 doch nichts passiert.

Morgen lesen Sie über die Faszination Weltuntergang.

Autor: Oliver Debus

Seit 1983 Amateurastronom und seit 1988 in der astronomischen Volksbildung tätig.

3 Gedanken zu „Panik vor dem Weltuntergang“

  1. Was die hiesigen Esoterikkreise betrifft, die mehr auf Aufstieg als auf Untergang setzen, konzentrieren die sich in letzter Zeit mehr darauf, dass 2012 ja nur der Anfang des langwierigen Aufstiegs wäre – naheliegenderweise, denn so können die ja noch mehr Bücher, Kurse & Co. verkaufen.

    Dass es zuvor üblich war, davon zu reden, dass am 21.12. der Höhepunkt, die Vollendung des Aufstiegs wäre, der schon lange begonnen hätte mit „Frequenzerhöhung“ und solchen Kram, naja, darauf achtet die Kundschaft ja eh nicht…

    1. Dazu paßt auch der Kommentar einer Besucherin meines Standes am Dornholzhäuser Weihnachtsmarkt am vergangenen Sonntag. Als sie meinen Vortragshinweis zum Vortrag Mythos 2012 sah erklärte sie, dass die Welt nicht unterginge, sonder sich die Ernergien verschöben.
      Auf den Aufstieg oder den Bewußtseinssprung komme ich aber auch noch.

  2. Ups, ich habe gerade im Blog den Aufruf zur Blogparade gestartet. Ob das wohl verfrüht war? Naja, wenn denn der Weltuntergang kommt, dann kann ich wenigstens die Schuld von mir weisen, wenn niemand die Blogparade ausgewertet hat 😀

    Toller Artikel. Gefällt mir und ich geh auch sehr ironisch mit dem Thema um, was wirklich nicht immer gut ist. Es stecken zum Teil halt wahre Ängste dahinter.

    Stefan

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