Je trouve ici mon asile.

Die Kanzel in der Dornholzhäuser Waldenserkirche. Quelle: www.waldenser.de

„Je trouve ici mon asile. – Hier finde ich meine Zuflucht“, dieser Spruch steht an der Kanzel der kleinen Waldenserkirche in Bad Homburg Dornholzhausen. Er erinnert daran, dass Ende Juli 1699 fast 200 Waldenser, Glaubensflüchtlinge aus dem Piemont, in die Landgrafschaft Hessen-Homburg kamen und hier eine Zuflucht fanden.

Die Waldenserkirche in Bad Homburg/Dornholzhausen. Quelle: www.waldenser.de

Der damalige Homburger Landgraf, Friedrich II. nahm nicht nur Waldenser in seiner kleinen Landgrafschaft auf, sondern auch Hugenotten, die er in Friedrichsdorf ansiedelte. Schon damals gab es Widerstand gegen die Neuankömmlinge, wohl auch, weil Friedrich II. ihnen verschiedene Privilegien einräumte, darunter auch eine zeitlich befristete Abgabenfreiheit. Der Grund für die Flucht der Hugenotten und Waldenser lag in der religiösen Verfolgung und Anfeindung durch die französischen Katholiken, allen voran der französische König.
Selber Nachfahre von Hugenotten, bin ich dankbar dafür, dass die damaligen Flüchtlingen eine neue Heimat gefunden haben und aufgenommen wurden.

Es war nicht das erste Mal, dass Flüchtlinge Asyl in deutschen Landen fanden und sollte auch nicht das letzte Mal sein. Kriege oder politische Verfolgung, Hunger und Not lässt Menschen ihre Heimat verlassen, selten wollen das diese Menschen. Fluchtmotive die immer wieder in der Geschichte zu finden sind. Gerade die neuere Geschichte Deutschland ist davon geprägt. Am Ende des von den Nationalsozialisten entfesselten zweiten Weltkrieges, während dessen die Nazis die Vertreibung und Deportierung als Mittel der Kriegführung einsetzten, waren es Millionen von Deutschen, die aus den ehemaligen Ostgebieten fliehen mussten. Da galt es für die Menschen im besetzten Deutschland zusammenzurücken um die deutschen Kriegsflüchtlinge und Vertriebenen aufzunehmen. So geschehen auch in Bad Homburg und bei meinen Urgroßeltern.
Und dann waren da die Flüchtlinge aus der DDR, die bis 1989 in die BRD kamen um hier eine Zuflucht vor dem DDR-Regime zu finden oder einfach, weil sie in Freiheit leben wollten. Vor allem 1989 war der Flüchtlingsstrom aus der DDR massiv und führte letztlich zur Öffnung des eisernen Vorhangs in Europa, zum Fall der Mauer und zum Zusammenbruch der UdSSR.

Warum erzähle ich davon?

Nun, ich möchte daran erinnern, dass nach Deutschland immer wieder Vertriebene, Kriegsflüchtlinge und Asylsuchende gekommen sind. Natürlich auch solche Menschen, die Deutschland bessere Lebensbedingungen suchten und auch besser bezahlte Arbeit. Im Grunde nehmen diese Menschen ein Recht in Anspruch, das jeder Mensch haben sollte. Das er frei ist in der Entscheidung dort zu leben, wo er leben und arbeiten möchte. Ein Recht, das jeder von uns hat. Wir sollten auch nicht vergessen, dass wir Deutsche das Glück haben seit nun gut 70 Jahren in Frieden zu leben. Das wir den Kalten Krieg überstanden haben und heute friedlich mit unseren früheren Feinden in Europa zusammenleben und zusammenarbeiten. Wie fruchtbar das ist, kann man besonders in europäischen Forschungseinrichtungen wie der Weltraumagentur ESA sehen.
Leider ist aber auch so, dass es nicht jedem in Deutschland gut geht, sondern viele an der Armutsgrenze leben und die Unterstützung des Staates brauchen.
Wir haben das Glück in einem reichen Land zu leben. Anders die Menschen, die an der Peripherie Europas stehen. Wohin wir auch blicken, um Europa herum herrscht Krieg und Vertreibung, Not und Elend. In Afrika, in vorderen Orient und in der Ukraine. Und es ist noch nicht lange her, da wurde auch auf dem Balkan gekämpft, als das ehemalige Jugoslawien zerbrach.

Vor den Toren Europas hat sich lange Zeit ein Flüchtlingsdrama angebahnt, dass sich nun zur humanitären Katastrophe weiterentwickelt hat.
Es ist beschämend, wie Europa, wie die Europäische Union und deren Mitgliedsstaaten auf diese Katastrophe reagieren. Entweder schottet man sich mit Grenzzäunen ab oder man tut so als ginge einem das ganze gar nichts an oder will nur bestimmte Flüchtlinge, zum Beispiel nur Christen aufnehmen. Die europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik ist völlig gescheitert.
Auch in Deutschland hat die Politik lange geschlafen und die Zeichen nicht erkannt.
So sehr mich das scheitern der Politik beschämt, so entsetzt mich die Reaktionen von Teilen der Bevölkerung, vor allem hier in Deutschland. Fremdenfeindlichkeit, Fremdenhass sind ja kein rein deutsches Problem, das finden wir in ganz Europa.

Aber was sich hier in den letzten Monaten ereignet, finde ich abscheulich und unverständlich.
Es hat sich ja schon mit Pegida abgezeichnet, dass die Rechtsradikalen ihren stumpfen Fremdenhass unter dem Denkmantel der Islamkritik äußern und tausende von Mitläufern fand. Nun sind es „besorgte Bürger“, die unter dem Deckmantel der Asylkritik ihren Fremdenhass hinausposaunen, bzw. den rechtsradikalen Hetzern der NPD, den Nazis hinterherlaufen. Sie tauchen überall dort auf, wo Flüchtlingsunterbringungen entstehen sollen. Das geht ja leider schon länger so und die Politik hat sich bisher wenig darum gekümmert oder darauf reagiert. Angeblich sind die Bürger besorgt um die Ruhe, die öffentliche Ordnung und die Sicherheit an ihrem Ort durch die Flüchtlinge gefährdet sehen. Teils gibt es auch Menschen, die sich einfach benachteiligt fühlen. Dumm nur, dass es genau diese „besorgten Bürger“ sind, die die Ruhe, die Ordnung und die Sicherheit mit gewalttätigen Krawallen gefährden.

Doch das alles ist für mich keine Rechtfertigung für den Hass und Anfeindungen, Bedrohungen und letztlich auch brutaler Gewalt. Menschen, die Flüchtlingen helfen wollen, die Solidarität zeigen, werden von den Rechtsradikalen bedroht. Flüchtlingsheime werden angegriffen und in Brand gesetzt. Bereits am 27.07.2015 berichtete die Tagesschau auf ihrer Webseite, das fast täglich ein Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland von Rechtradikalen verübt wird. Jetzt hat die rechtsradikale Gewalt in Heidenau eine neue Dimension erreicht. Polizisten, Hilfskräfte werden ganz gezielt von den Rechten angegriffen. Erst jetzt scheint die Politik aufzuwachen. Ich hoffe, das nun mit allen Mitteln des Rechtsstaates konsequent gegen die rechten Gewalttäter und die rechten Hetzer vorgegangen wird. Auch im Internet, den sozialen Medien muss der Rechtsstaat stärker tätig werden, um die dort massive Hetze zu verfolgen.

Ich finde es abscheulich, wenn die große Hilfsbereitschaft der Deutschen gegenüber den Flüchtlingen, von nur einigen Tausend rechten Hetzern untergraben wird. Wir dürfen den rechten Hetzern, den Rechtsradikalen, den sogenannten „besorgten Bürgern“ keinen Meter Raum mehr überlassen. Wir dürfen uns dem Terror der Nazis nicht beugen, sonst werden wir bald um 80 Jahre in unserer Geschichte zurückgeworfen. Das darf nicht mehr geschehen.

Ich hoffe und ich wünsche mir, dass unsere Regierung endlich eine vernünftige und weitsichtige Asylpolitik macht und auch die EU ihre Asylpolitik ändert. Für mich bedeutet das eben nicht nur, was machen wir mit den Flüchtlingen, wie bringen wir sie unter, wie schnell wird über ihr Bleiberecht entschieden, wie kommuniziert man mit der eigenen Bevölkerung und bindet sie ein, sondern auch, wie man den Menschen in ihren Ländern helfen kann. Darüber muss sich Europa Gedanken machen und entsprechend positionieren.

Allen „besorgten Bürgern“ möchte ich sagen, lauft nicht den rechten Hetzern hinterher, werdet nicht zu deren Mitläufern, macht euch nicht zu deren Werkzeuge zu der Durchsetzung deren stumpfen, fremdenfeindlichen, menschenfeindlichen Nazi-Ideologie. Wo das hinführt, kann man aus der Geschichte lernen.

Keine Macht den Nazis.

 

 

 

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