Teleskopparade Teil 5

Seit den späten 1970’er Jahren interessiere ich mich für Astronomie und habe damals schon mit einem Teleskop, einem kleinen Linsenfernrohr beobachtet. In den frühen 1980’er Jahren kam dazu ein Newtonspiegel dazu. Seitdem haben sich bei mir einige Teleskope angesammelt. Teilweise habe ich diese gekauft, teilweise sind es Teleskope, die mir von ehemaligen Kursteilnehmern überlassen wurden, teilweise auch von Menschen, die diese Teleskope von Angehörigen bekommen haben und selbst nicht viel damit anzufangen wussten. Darunter sind kleine Schätze, nicht gerade von materiellem Wert sondern mehr vom ideellen Wert, da sie auch ganz gut die Geschichte der Amateurteleskope der letzten Jahrzehnte abbilden.

Diese Teleskope möchte ich in einer kleinen Serie nach und nach vorstellen.

Dobson Teleskope

Bisher ging es in meiner Serie über Teleskope um Teleskope mit kleiner Öffnung und größere Brennweite, also um ein kleines Öffnungsverhältnis. Das Öffnungsverhältnis ist das Verhältnis zwischen Öffnung und Brennweite und wird angegeben als f/10. Im Amateurbereich geht das Öffnungsverhältnis von f/5 bis f/15 oder ganz selten sogar f/20. Dabei bezeichnet man Geräte mit einem Öffnungsverhältnis von f/5 als schnelle Optiken, solche mit f/15 als langsame Optiken. Dieses ist von der Astrofotografie abgeleitet. Um ein bestimmtes Objekt zu fotografieren bedarf es einer bestimmten Belichtungszeit. Diese ist bei langsamen Optiken größer als bei schnellen. Für die visuelle Beobachtung gibt das Öffnungsverhältnis an, welche Objekte ich gut beobachten kann. Helle, vor allem planetare Objekte sind gut mit Teleskopen mit einem Öffnungsverhältnis f/10 – f/15 zu beobachten. Lichtschwache Objekte, wie Deep Sky Objekte sind mit f/5 zu beobachten.
Die bislang in der Serie vorgestellten Teleskope liegen beim Öffnungsverhältnis um f/10, bzw. f/15. Das ist zum Teil der Bauart als achromatische Refraktoren geschuldet, aber auch dem größer werdenden Preis für größere Öffnung. Anders sieht es da bei Newton Teleskopen aus. Diese können bei kleiner Brennweite eine größere Öffnung haben und sind trotzdem preisgünstig. Solch ein Newtonspiegel mit großer Öffnung und überschaubarer Brennweite kam 2005 in meine Sammlung. Damals wollte ich für öffentliche Beobachtungen gerne ein schnell einsetzbares Gerät mit großer Öffnung haben. So fiel die Wahl auf ein Dobson-Teleskop.

In den 1990’er Jahren drängten die, nach ihrem Erfinder John Dobson (1915 – 2014), einem amerikanischen Amateurastronomen, benannten Dobson-Teleskope immer stärker auf den Teleskopmarkt. Sie waren recht preisgünstig, da sie hauptsächlich aus dem Teleskop bestehen und auf Stativ und Montierung weitgehend verzichten. Die sogenannte Rockerbox ist die azimutale Montierung in der sich das Teleskop, ein großer Newtonspiegel frei bewegen läßt. Mit einem Dobson erhällt man für vergleichsweise wenig Geld viel Öffnung. Das ist gut für Freunde der visuellen Deep Sky Beobachtung, also alle Sternfreunde, die Sternhaufen, Gasnebel, planetarische Nebel Galaxien etc. sehen wollen, aber auch für Kometenjäger.

Orion SkyQuest XT 12 IntelliScope

Orion SkyQuest XT 12 IntelliScope

Meine Wahl fiel damals auf ein Dobson der amerikanischen Firma Orion Telescopes. Das Orion SkyQuest XT 12 IntelliScope ist ein Newtonreflektor mit 12 Zoll Öffnung und 1500 mm Brennweite. Zu den bisherigen Teleskopen als ein ordentlicher Sprung in Öffnung und Auflösung. Es ist ein Volltubusteleskop. Es hat einen Sucher mit 50 mm Öffnung und 9 facher Vergrößerung. Der Okularauszug nimmt sowohl 1,25 Zoll als auch 2 Zoll Okulare auf. 2 1,25 Zoll Plössle Okuare mit 25 mm und 10 mm Brennweite waren im Lieferumfang enthalten. Solche großen Teleskope kommen nicht in einem Stück, sondern als Bausatz. So muss man die Rpckerbox zusammenbauen, und den Hauptspiegel in den Tubus einsetzen. Das ist allerdings dank der guten Anleitung kein größeren Problem.
Der Tubus mit einer Länge von beinahe 1,5 m und einem Durchmesser von fast 36 cm ist schon recht sperrig und man benötigt einen entsprechenden PKW um ihn an einen dunklen Beobachtungsort außerhalb der Stadt zu bringen, die Rockerbox ist ebenfalls recht sperrig.

Die Leistungsdaten im Überblick

Die Steuerbox des IntelliScope.

Das schöne an diesem Dobson sind die digitalen Teilkreise für Azimut und Höhe, die die Bewegung des Teleskops in beiden Achsen verfolgen. Über die Teilkreise und die Handsteuerung kann man somit viele gespeicherte Objekte aufsuchen. Das ist für den Sternfreund hilfreich, der sich noch nicht so sehr am Sternhimmel auskennt. Damit sich das Teleskop auch zurecht findet, muss man eine Einrichtung an mehreren Sternen durchführen, die man manuell aus einer Startposition anfahren muss. Dann kann es mit der Entdeckungstour losgehen.
Es zeigt sich bei der Beobachtung, wo die stärken dieser Sorte Teleskope liegen. Schnell aufgebaut und einsatzfertig, ist es eine Freude den Deep Sky Himmel zu durchforsten.

Explore Scientific ULD 12

Einige Jahre nach dem Orion Dobson legte ich mir einen transportableren Dobson zu. Immer lauter wurde der Ruf nach transportableren Geräten, die durch die Gitterrohrdobson umgesetzt wurden. Das eigentlich Teleskop besteht hier nicht mehr aus einem Volltubus, sondern aus einem Geflecht an Stangen zwischen Spiegelkasten mit dem Haupspiegel und dem Fangspiegelkäfig. Zum einen spart das Gewicht, zum anderen kann man das Teleskop sehr kompakt transportieren.
Die Idee zu dem Teleskop kam mir bei einem Wohnungsumzug, der mir in die Nähe eines schönen Beobachtungsplatzes brachte, der gut mit dem Fahrrad erreichbar ist. Ein Teleskop, dass man mit einem Fahrrad statt PKW transportieren kann. Das wäre schön. Fündig wurde ich mit dem 12 Zoll Ultra Light Dobson von Explore Scientific. Der dann zu meiner Fahrradsternwarte wurde.

Der Explore Scientific Ultra Light Dobson mit 12 Zoll Öffnung.

Mit 305 mm Öffnung und 1524 mm Brennweite ist der ULD 12 Dobson dem Orion Dobson natürlich gleichwertig. Den Rotpunktsucher habe ich recht schnell durch einen Telradsucher ersetzt. Dieser hilft ungemein, wenn man den Deep Sky Himmel mit dem Deep Sky Atlas von Oculum erkundet.
Der Spiegelkasten verfügt über zwei Lüfter, die über ein Batteriepack mit dem Strom versorgt für eine schneller Auskühlung des Kasten sorgt. Die Kollimation des Spiegels vor einer Beobachtung ist recht leicht meiner mitgelieferten Stange zu bewerkstelligen. Der Okularauszug nimt 1,25 Zoll und 2 Okulare auf. Okulare gibt es im Lieferumfang des Teleskops allerdings nicht. Diese muss man sich dazu kaufen. Was auf den ersten Blick blöd klingt, ist aber durchaus sinnig. Denn die zumeist mitgelieferten Okulare sind doch eher von minderer Qualität und oftmals reizen sie die Leistungsfähigkeit des Teleskops nicht aus. Daher lohnt es sich, wenn man nicht schon Okulare hat, sich gute Okulare dazu zu kaufen. Empfehlenswert finde ich in Verbindung mit einem Dobson ein gutes Zoomokular.

Die Leistungsdaten im Überblick

Der Fangspiegelkäfig des ULD 12.
Der Explore Scientific ULD 12 im Fahrradanhänger verstaut.

Mit dem ULD 12 den Deep Sky Himmel abzugrasen macht wirklich viel Spaß und es ist immer wieder spannend zu sehen, was man bei dieser Öffnung zu Gesicht bekommt. Doch nicht nur Deep Sky Objekte locken mit diesem Teleskop, auch die Gasriesen Uranus und Neptun, sowie einige Planetoiden und Kometen sind lohnende Objekte für Dobson. Durch das Suchen und Finden und die manuelle Nachführung lernt man den Himmel deutlich besser kennen als mit GoTo Teleskopen möglich ist. So gesehen ist solch ein Dobson Teleskop eine gute Wahl für jemanden, der rein visuell unterwegs sein möchte.
Und wer es nicht ganz so groß haben möchte, es geht auch kleiner.
Die beiden 12 Zoll Dobson Teleskope zählen, was die Öffnung und die Größe angeht zu meinen größten Teleskopen. Das krasse Gegenteil dazu sind die beiden kleine Dobson von Celestron, die ich im Herbst 2019 übernommen habe. Diese wirken eher wie Spielzeuge haben aber auch durchaus ihren Reiz.

Celestron FirstScope

Das Celestron FirstSope ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Minidobson. Mit einer Öffnung von 76 mm und einer Brennweite von 300 mm ist es wirklich winzig und wirkt gegenüber den 12 Zöllern wie ein Spielzeug. Es ist als Reisedobson zu sehen, den man wirklich überall mit hinnehmen kann und am Himmel spazieren gucken kann. Klar zeigt es auch bei weitem nicht die Objekte, die der 16 mal lichtstärkere 12 Zöller zeigen kann. Aber das ist bei diesem Gerät auch nicht das Argument.
Das FirstScope bekam ich zum einen als Sonderedition von 2009 zum Internationalen Jahr der Astronomie und als Sonderedition von 2010 anläßlich dem 50 jährigen Bestehen der Firma Celestron. Beide Minidobsons haben vier einfache Huygensokulare mit 20 mm, 15 mm, 6 mm und 4 mm (Super Ramsden) Brennweite, 1 Mondfilter, 1 5×24 Sucher mit Halterung, sowie einem Nylontransportbeutel.

Das Celestron FirstScope in der Sonderedition von 2009 zum Internationalem Jahr der Astronomie.
Das FirstScope mit den 4 Okularen und dem Mondfilter.

Die Leistungsdaten im Überblick

Das Celestron FirstScope in der Sonderedition von 2010 zum 50. Jahr von Celestron.

Warum kauft sich jemand ein Teleskop gleich zweimal? Nun, die beiden Teleskope habe ich von einer älteren Dame bekommen, die mit ihrem bereits verstorbenen Mann noch im hohen Alter gemeinsam den Himmel beobachtete. Man kann es sich wohl gut vorstellen, wie beide auf der Terrasse sitzen und jeder durch sein Teleskop schaut und dem anderen von seiner Beobachtung erzählt. Oder sie ihren kleinen Dobson mit in den Urlaub nehmen und dort den Himmel bestaunten.

Bresser Solarix 76/350

Bresser Solarix 76/350

Auch wenn es kein Dobson in dem Sinne ist, möchte ich es hier doch erwähnen. Es paßt von der Teleskopart und der Größe gut rein und ist beinahe ein Dobson, das Bresser Solariv 76/350. Es ist ein kleines Teleskop mit 76 mm und 350 mm Brennweite unschwer als Newton erkennbar. Von der Ausstattung her ist es mit dem FirstSope vergleichbar. Ein einfaches Huygens Okular mit 20 mm Brennweite, ein 4 mm Super Ramsden, eine einfache 2 fach Barlowlinse, sowie ein Okular Mondfilter. Dann gibt es noch ein Smartphonehalter, sowie ein Objektivsonnenfilter. Nun, den Smartphonehalter kann man getrost zur Seite legen. Interessant ist der Sonnenfilter, der zur ersten Sonnenbeobachtung animiert, was mit dem kleinen Teleskop auch recht gut gelingt.

Soviel also zu meinen Dobson Teleskopen. Gerade die kleinen sind für mich eher Spielerei. Ich setze sie aber doch gerne ein, um Interesse zu wecken und den Leuten zu zeigen, was man so sehen kann, Mond etc. Das ist für kleine Feste oder Ausstellungen ganz gut und immer ein kleiner Blickfang.
Die großen Dobson machen richtig Spaß beim Spechteln. Leider kann man damit nicht so gut fotografieren. Denn sehr oft habe ich den Wunsch, dass gesehende fotografisch festzuhalten. Doch dafür gibt es ja andere Teleskope.