Teleskopparade Teil 2

Seit den späten 1970’er Jahren interessiere ich mich für Astronomie und habe damals schon mit einem Teleskop, einem kleinen Linsenfernrohr beobachtet. In den frühen 1980’er Jahren kam dazu ein Newtonspiegel dazu. Seitdem haben sich bei mir einige Teleskope angesammelt. Teilweise habe ich diese gekauft, teilweise sind es Teleskope, die mir von ehemaligen Kursteilnehmern überlassen wurden, teilweise auch von Menschen, die diese Teleskope von Angehörigen bekommen haben und selbst nicht viel damit anzufangen wussten. Darunter sind kleine Schätze, nicht gerade von materiellem Wert sondern mehr vom ideellen Wert, da sie auch ganz gut die Geschichte der Amateurteleskope der letzten Jahrzehnte abbilden.

Diese Teleskope möchte ich in einer kleinen Serie nach und nach vorstellen.

Refraktor für Einsteiger

In den späten 1960’er Jahren, vor allem in den 1970’er und 1980’er Jahren gab es auf dem deutschen Teleskopmarkt mehr und mehr Teleskope aus Japan. Vor allem für Einsteiger wurde von verschiedenen Anbietern Refraktoren und Newtonspiegeln angeboten. Versandhäuser wie Neckermann, Quelle, Revue, Weltblick und andere haben solche Teleskope im Programm gehabt und vertrieben.
Als klassische Einsteigerteleskope wurden Refraktoren mit einer Öffnung von 60 mm und einer Brennweite von 700 mm auf einer einfachen azimutalen Montierung angeboten. Diese gab es in leicht veränderten Ausführungen. Interessant waren solche Varianten mit einem fest verbauten Sucher, der über einen Klappspiegel in den Strahlengang des Teleskops eingebracht werden kann.
In meiner Sammlung habe ich vier solcher Geräte, die ich für Übungen mit Anfängern einsetze.

Die Teleskopdaten im Überblick

Das älteste dieser Teleskopart ist aus dem Ende der 1960’er, Anfang der 1970’er Jahre und wurde vom Frankfurter Versandhaus Neckermann unter dem Produktnamen „Weltblick Astronomisches Teleskop“ verkauft. Das baugleiche Teleskop gab es in der Zeit auch von dem Nürnberger Konkurrenten Quelle, beziehungsweise von dessen Tochterunternehmen Foto-Quelle. Die Teleskope wurden hier unter dem Namen „Revue“ gehandelt.

Achromatischer Refraktor mit 60 mm Öffnung und 710 mm Brennweite von Welblick.

Bei diesen frühen Teleskopen gab es neben der Feineinstellung in der Höhe über eine Rändelschraube auch eine Feineinstellung im Azimut über eine Nachführwelle. Gerade bei azimutal montierten Teleskopen ist solch ein Feineinstellung in beiden Achsen bei der längeren Beobachtung eines Himmelsobjektes von Vorteil, da es die Beobachtung angenehmer macht. Durch die Feineinstellung steht das Teleskop stabiler, d.h. es verrutscht nicht so leicht. Leider hat sich bei späteren azimutalen Teleskopen nur noch die Höhenfeinstellung erhalten.
Das Zubehör war in dieser Zeit, anders als bei manchen Teleskopen heute, sehr umfangreich und von recht guter Qualität. Dazu zählten ein 90° Umlenkspiegel, drei Hyugensokulare mit Brennweiten von 20 mm, 12 mm und 6 mm, sowie einer 2 fach Barlowlinse zur Brennweitenverlängerung des Teleskops. Standard waren auch ein Mondfilter und ein Sonnenfilter, die in die Okulare geschraubt werden. Der Okularauszug und die Okulare hatten damals einen Steckdurchmesser von 24,5 mm oder 0,96 Zoll.

Das Revue Teleskop 60/700 mit Klappspiegelsucher auf einem Holzstativ.

Dieses Revue Teleskop mit 60 mm Öffnung und 700 mm Brennweite hat zwei Besonderheiten, die in den 1980’er Jahren auftauchten und bald wieder verschwanden. Auffällig ist der Klappsucher, der fest auf dem Teleskoptubus montiert ist. Um den Sucher zu verwenden, wir ein Planspiegel in den Strahlengang des Tubus geklappt, der das Licht in den Sucher umlenkt. Dadurch wird die Lichtstärke des Teleskops genutzt und es entfällt die oft nötige Einrichtung des Suchers und des Hauptgerätes. Ist das Objekt eingestellt, wir der Sucherspiegel eingeklappt und man kann durch das Teleskop beobachten. Leider können durch die, durch das Wegklappen verursachten Schwingungen dafür sorgen, dass bei nicht ganz festgezogenen Stellschrauben das Objekt aus dem Teleskop rauswandert. Eine weitere Besonderheit ist, dass sich der Okularauszug recht einfach verlägern läßt. Leider ist bei diesem Teleskop die zuvor erwähnte Feineinstellung im Azimut bereits weggefallen. Die Zubehörausstattung ist dem Gerät aus den 1960’er Jahren gleichwertig. Neben Barlowlinse, drei Hyugensokularen lagen Mond- und Sonnenokularfilter bei.

Das Revue Teleskop 60/700 mit Klappspiegelsucher auf einem Alustativ.

Eine leichte Abwandlung ist dieses Revue Teleskop aus den 1980’er Jahren ebenfalls von Foto Quelle. Das Holzstativ wurde durch ein Alustativ ersetzt und der Klappspiegel sucher erhielt ein anderes Design. Ansonsten hat sich an Qualität und Ausstattung nichts verändert. Alle gezeigten Teleskope sind optisch gute Fraunhofer Achromaten aus japanischer Teleskopschmiede. Tubus und Montierung sind aus Metall und dadurch robust und stabil. Gleiches gilt auch für die Holzstative.

Der Klappspiegelsucher.
Der Powerseeker 60/700 von Celestron.

Ab Mitte der 1990’er Jahre und besonders in den 2000’ern, wurde der Teleskopmarkt mehr und mehr aus China beherrscht, was sich bei dem Preis, der Qualität und der Ausstattung besonders im Einsteigerbereich bemerkt macht. Die Teleskopen werden günstiger, allerdings nimmt die Qualität ab, da viele Teleskopteile nun aus Kunstoff gefertigt werden. Vor allem aber beim Zubehör wird gerne gespart. Neben dem 90° Umlenkspiegel, besteht das Zubehör aus 2 Okularen (Steckdurchmesser 31,7 mm oder 1,25 Zoll) mit 20 mm und 4 mm Brennweite, einer 3 fach Barlowlinse, einem Umkehrsystem mit 1,5 facher Brennweitenverlängerung für die Erdbeobachtung, sowie ein Okularmondfilter.
Die Okularzusammenstellung ist ein Schwachpunkt. Das Okular mit 4 mm Brennweite ergibt eine Vergrößerung von 175 fach. Laut Faustformel liegt die maximal sinnvolle Vergrößerung für diese Teleskop aber bei 120 fach. Nach einer weiteren Abschätzung bei maximal 166 fach. Somit erhält man diesem Okular lediglich eine leere Vergrößerung ohne wirklichen Detailgewinn und das Bild wird sehr dunkel bleibt unscharf. In Verbindung mit dem Umkehrsystem oder der Barlowlinse ist es völlig unbrauchbar.

Solche klassischen Anfängerteleskope sind sehr schnell einsatzbereit und eignen sich besonders für die Beobachtung von Mond, Planeten und Doppelsterne und gerne auch für helle Deep Sky Objekte, wie offene Sternhaufen und Kugelsternhaufen. Für Galaxien, Gasnebel und planetarische Nebel sind sie ungeeignet. Auch die teils fehlende Feinnachführung trübt den Beobachtungsspaß.