Finsternisse – Schattenspiele im All

Partielle Sonnenfinsternis 2006.
Partielle Sonnenfinsternis 2006.

In diesem Jahr können wir von Deutschland aus zwei Finsternisse beobachten. Im Frühjahr findet am 20. März 2015 eine partielle Sonnenfinsternis statt und im Herbst, am 28. September 2015 eine totale Mondfinsternis.


Mond- und Sonnenfinsternisse finden in Abhängigkeit von der Stellung des Mondes zu Erde und Sonne statt. Zu einer Sonnenfinsternis kommt es, wenn der Mond zwischen Erde und Sonne steht und zu einer Mondfinsternis, wenn die Erde zwischen Mond und Sonne steht. Die entsprechenden Mondphasen nennen wir Neumond und Vollmond. Der Mond umläuft die Erde bekanntlich in etwa 29 Tagen einmal. Jetzt kommt es aber nicht alle 29 Tage zu einer Sonnen- und zu einer Mondfinsternis, sondern in der Regel 2 Mal pro Jahr. Dies liegt an der besonderen Lage der Mondbahn gegenüber der als Ekliptik bezeichneten Erdbahn. Die Mondbahn ist gegenüber der Erdbahn um 5° geneigt. Die Schnittpunkte von Mondbahn und Erdbahn werden als Knotenpunkte bezeichnet. Zu einer Finsternis kann es aber nur kommen, wenn der Mond bei der entsprechenden Mondphasen in einem der beiden Knotenpunkte steht. Und dies trifft nur zwei Mal pro Jahr ein und dann kommt es im Abstand von gut 14 Tagen zu einer Sonnenfinsternis und zu einer Mondfinsternis.

MondundErdbahn
Lage der Mondbahn gegenüber der Erdbahn und Entstehung von Finsternissen. Grafik: Oliver Debus

Näheres zu dem Phänomen der Finsternisse wird in unserem Video „Finsternisse – Schattenspiele im All“ erläutert.

Die partielle Sonnenfinsternis am 20. März 2015

Am Freitag den 20. März 2015 kommt es zu einer totalen Sonnenfinsternis. Allerdings verläuft der Kernschatten des Mondes über den Nordatlantik. Lediglich von den Faröer-Inseln oder Spitzbergen ist die Finsternis als totale Sonnenfinsternis zu beobachten, solange man die Finsternis von Schiff oder Flugzeug aus sehen möchte. Eine totale Finsternis, wie sie am 11. August 1999 von Deutschland aus zu sehen war, findet nur im Bereich des Kernschattens des Mondes statt. Dort wo dieser recht schmale Bereich von gut 100 km Durchmesser des Mondkernschattens die Erde überstreift wird es am helllichten Tage urplötzlich Nacht. Im Bereich des Halbschattens dagegen kommt es nur zu einer teilweisen Bedeckung der Sonne durch den Mond. Je weiter wir an den Rand des Halbschattens kommen, desto geringer ist der Bedeckungsgrad. Um eine Sonnenfinsternis sehen zu können ist es sehr wichtig über welchen Teil der Erde der Kernschatten des Mondes wandert. Deshalb sind von einem Ort aus recht selten solche Schattenspiele zu sehen.

Verlauf der Sonnenfinsternis am 20. März 2015. Quelle: NASA
Verlauf der Sonnenfinsternis am 20. März 2015. Quelle: NASA

Video: Finsternisse 2015

Von Europa und von Deutschland aus, ist sie nur als partielle Sonnenfinsternis sichtbar. Von hier aus gesehen wird die Sonne vom Neumond nur zum Teil verdeckt und je nachdem wo man sich befindet fällt der Bedeckungsgrad sehr unterschiedlich aus. In Norddeutschland wird nahezu 80% der Sonnenscheibe vom Mond verdeckt, in Süddeutschland dagegen etwa 65%.

Die Sonnenfinsternis am 20. März findet am Vormittag statt. Im Rhein-Main Gebiet kann man eine Bedeckung von gut 75% der Sonnenscheibe beobachten, was den Lichtverhältnissen bei einem stark bewölkten Tag oder der frühen Abenddämmerung entspricht.

SoFi20032015Bis zu nächsten in Europa sichtbaren Sonnenfinsternis muss man sehr viel Geduld haben. Erst am 10. Juni 2021 ist die nächste partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Und bis zur nächsten über Süddeutschland sichtbaren totalen Sonnenfinsternis dauert es bis zum 03. September 2081.

Beobachtung der Finsternis

Bei der Beobachtung der Sonnenfinsternis ist Vorsicht geboten. Keinesfalls darf man mit ungeschützten Augen die Finsternis ansehen. Es besteht die Gefahr der nachhaltigen Schädigung der Augen bis zur Erblindung. Am sichersten sind sogenannte Finsternisbrillen mit einer speziellen Filterfolie, die der astronomische Fachhandel bereit hält. Diese sind für wenig Geld zu haben. Vor dem Gebrauch sollte die Brille auf etwaige Beschädigungen geprüft werden.

Wer mit einem Instrument, egal ob Fernglas oder Teleskop beobachten möchte, sollte ebenfalls eine Filterfolie als Objektivfilter einsetzen um eine Schädigung der Augen zu vermeiden. Mit dieser Vorsichtsmaßnahme steht einer Beobachtung außer dem Wetter nichts mehr im Weg.
Eine weiter Möglichkeit der gefahrlosen Beobachtung der Finsternis ist die Projektion des Sonnenbildes.
Mehr Tipps zur Beobachtung von Finsternissen.

Video: Finsternisse beobachten

Die totale Mondfinsternis am 28. September 2015

In der Nacht vom 27. auf den 28. September 2015 ist die einzige in diesem Jahr von Deutschland sichtbare Mondfinsternis zu sehen. Zwar findet bereits am 04. April eine totale Mondfinsternis statt, diese ist aber nur vom Pazifikraum aus zu beobachten, da der Mond zu der Zeit in Europa schon untergegangen ist. Zu einer Mondfinsternis kommt es, wenn der Mond bei Vollmond durch den Erdschatten läuft. Dies kann nur geschehen, wenn er dabei auf einem der beiden Knotenpunkte seiner Bahn steht. Ansonsten wandert der Mond über und unter der Erde vorbei und der Erdschatten verfehlt ihn. Ähnlich wie bei einer Sonnenfinsternis kann es zu einer totalen Mondfinsternis oder zu einer partiellen Finsternis kommen. Eine totale Finsternis tritt ein, wenn der Mond ganz in dem Kernschatten der Erde verschwindet. Streift er nur den Kernschatten findet eine partielle Mondfinsternis statt, da der Mond eben nur zum Teil im Kernschatten verschwindet. Die unten stehende Grafik zeigt wie es zu einer Mondfinsternis kommt.

MOFI2015Die Mondfinsternis am 28. September ist eine totale Finsternis. Der Mond taucht vollständig in den Kernschatten der Erde ein und wird total verfinstert. Allerdings wird er nicht völlig dunkel. Der Mond wird während der totalen Phase bräunlich rot leuchten. Dieser Effekt kommt durch Sonnelicht zustanden, dass durch die Erdatmosphäre in seine Spektralfarben zerlegt wird und der langwellige, rötliche Anteil wird in den Kernschatten hineingebrochen.

Beobachtung:

Die Mondfinsternis kann bereits mit bloßem Auge beobachtet werden. Besonders Eindrucksvoll ist es, mit einem kleinen Teleskop die Bewegung des Erdschattens über die Mondoberfläche, über die Krater, Gebirge etc. hinweg wandern zu sehen. Empfehlenswert bei der Beobachtung mit dem Teleskop ist der Einsatz von Grau- oder Neutralfilter, die in das Okular eingeschraubt werden. Lohnenswert ist es auch die Finsternis zu fotografieren. Besonders den rötlichen Mond währende der totalen Phase lohnt es im Bild fest zuhalten.

Fast 3 Jahre lang dauert es, bis wieder eine totale Mondfinsternis über Deutschland zu sehen sein wird, wenn am 27. Juli 2018 der Vollmond wieder durch den Erdschatten wandert.

Die nächsten von Deutschland aus sichtbaren Sonnen- und Mondfinsternisse.
Die nächsten von Deutschland aus sichtbaren Sonnen- und Mondfinsternisse.

 

 

Autor: Oliver Debus

Seit 1983 Amateurastronom und seit 1988 in der astronomischen Volksbildung tätig.

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