Merkur zeigt sich am Abendhimmel

Der kleine Planet Merkur, der innerste der Planeten des Sonnensystem, hat es wahrlich nicht leicht aus Schatten, bzw. dem Strahlenkranz der Sonne heraus zutreten. Trennen ihn doch keine 60 Millionen Kilometer oder nur knapp 0,4 Astronomische Einheiten von der Sonne. Mit gut 88 Tagen saust er ständig um die Sonne herum. Von der Erde aus gesehen steht Merkur maximal etwas mehr als 20° oder 40 Vollmonddurchmesser von der Sonne weg und ist dann auch nur in der Abenddämmerung oder Morgendämmerung, dicht über dem Horizont zu sehen. Kein Wunder also, dass dieser Planet nur sehr schwer zu entdecken ist und den meisten Sternfreunden entgeht.
Doch von Ende April bis Mitte Mai 2015 zeigt sich der Planet am Abendhimmel.

Am 30 April 2015 steht der Merkur dicht an dem Sternhaufen der Pleyaden und durchwandert das "Goldene Tor der Ekliptik". Bild erstellt mit Stellarium.
Am 30 April 2015 steht der Merkur dicht an dem Sternhaufen der Pleyaden und durchwandert das „Goldene Tor der Ekliptik“. Bild erstellt mit Stellarium.

Unter günstigen Bedingungen kann man den Merkur mit bloßem Auge bereits ab dem 22. April dicht über dem nordwestlichen Horizont nach Sonnenuntergang beobachten. Er hat dann schon eine scheinbare Helligkeit von -1,1 Größe. Am 7. Mai hat der innerste Planet seine größte östliche Elongation gegenüber der Sonne erreicht und steht dann 21°,11′ von der Sonne weg. Allerdings ist seine Helligkeit in der Zeit auf nur noch 0,3 Größe geschrumpft. Am 12. Mai verabschiedet sich der Merkur wieder vom Abendhimmel, da er schnell wieder auf die Sonne zuwandert und deshalb bald nach der Sonne untergeht und im Licht der Dämmerung verschwindet. Mit Fernglas oder Teleskop ist der Merkur aber noch bis 17. Mai zu entdecken.
Seine beste Sichtbarkeit erreicht der Merkur am 2. Mai. Erst circa zwei Stunden nach Sonnenuntergang verschwindet der Merkur hinter dem Horizont. Mit -0,3 Größe ist er in der späten Dämmerung als kleines Sternchen zu sehen.
Man sollte aber durchaus einige Tage vorher nach dem flinken Planeten Ausschau halten. Denn am 30. April steht Merkur recht nahe neben den Pleyaden und durchwandert die Tage darauf, wie schon gut drei Wochen früher die Venus, das „Goldene Tor der Ekliptik“, wie man das Himmelsareal zwischen den Sternhaufen Hyaden und Pleyaden im Sternbild Stier auch nennt.

Der Planet Venus durchwandert das "Goldene Tor der Ekliptik" zwischen den Sternhaufen Hyaden und Pleyaden im Stier.
Der Planet Venus durchwandert das „Goldene Tor der Ekliptik“ zwischen den Sternhaufen Hyaden und Pleyaden im Stier.

Neben den bereits hier beschrieben Highlights des Frühlingssternenhimmels, den Planeten Venus und Jupiter, sowie der Saturn. den zwischen dem 16. April und 25. April sichtbaren Lyriden-Sternschnuppen, wird Merkur ein weiterer, wenn auch eher unscheinbarer Glanzpunkt am Abendhimmel.

Autor: Oliver Debus

Seit 1983 Amateurastronom und seit 1988 in der astronomischen Volksbildung tätig.

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