MoFi im Rückblick

In der Nacht vom 27. auf den 28. September 2015 ereignete sich die einzige von Deutschland aus sichtbare totale Mondfinsternis in diesem Jahr. Wer diese MoFi beobachten wollte, mußte am Montag Morgen sehr früh aufstehen. Die Zeiten der Sichtbarkeit kann man in der Ankündigung der MoFi noch mal nachlesen.

Da diese Mondfinsternis für einige Jahre die letzte von Europa aus gut sichtbare MoFi ist, war für mich klar, mir diese Chance nicht entgehen zu lassen, zumal auch die Wettervorhersage sehr viel versprechend war.

Schon am Abend vorher war das Auto gepackt. Mit drei Kameras wollte ich das Spektakel festhalten. Eine Kamera sollte den Sternhimmel während der MoFi fotografieren, eine mit einer „Russentonne“ mit 500mm Brennweite ausgestattete Kamera sollte den Mond fotografieren, ebenso wie die dritte Kamera, die an ein Vixen NP 80L Refraktor mit 1200mm montiert war. Da diese Mondfinsternis  mit dem Perigäum des Mondes zusammenfiel und der Mond so besonders groß erschien, wollte ich diesen Supermond mit der gleichen Optik fotografieren, die ich bei der totalen Mondfinsternis am 03. März 2007 einsetzte, um die scheinbare Größe der Mondscheibe vergleichen zu können.  Als Beobachtungsort hatte ich den Beobachtungsplatz der AG Orion in Pfaffenwiesbach im Taunus ausgewählt.
Um gut 1:30 Uhr war die kurze Nacht beendet. Noch mal alles kontrollieren und dann ging es um 2 Uhr los. Da der um kurz nach 2 Uhr beginnende Eintritt des Mondes in den Halbschatten der Erde unaufällig verläuft, wollte ich mit der Beobachtung erst eine Stunde später beginnen.

Teleskop und Kameras stehen bereit.
Teleskop und Kameras stehen bereit.
Mond über dem Taunus, kurz nach Beginn des Eintritts in den Kernschatten.
Mond über dem Taunus, kurz nach Beginn des Eintritts in den Kernschatten.
Der Mond beginnt mit dem Eintritt in den Kernschatten. EOS 10D mit 500mm Maksutov-Teleobjektiv.
Der Mond beginnt mit dem Eintritt in den Kernschatten. EOS 10D mit 500mm Maksutov-Teleobjektiv.
Mond durch das Vixen NP 80L.
Mond durch das Vixen NP 80L.

Die zunehmende Verfinsterung des Mondes während des Eintritts in den Erdkernschatten war deutlich mit bloßem Auge sichtbar. Auffällig war auch, dass die Nacht mit wachsender Bedeckung dunkler wurde. Nicht nur, dass die den Mond umgebenden Sterne zu sehen waren und die Milchstraße deutlich hervorkam, auch die vom Mondlicht erzeugten Schatten verschwanden.
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Etwa gegen 4:11 Uhr verschwand der Mond ganz im Erdschatten und begann im rötlichen Licht zu scheinen.

Roter Mond über dem Taunus.
Roter Mond über dem Taunus.

Ganz deutlich zeichneten sich westlich, also rechts vom Mond der markante Sternenring der Fische ab, die den Kopf eines der beiden Fische markieren. Das Sternbild setzt sich mit der nach links oben gerichteten Sternenkette fort. Links unterhalb des Mondes ist das Sternbild Cetus oder Walfisch zu sehen.

Blutmond.
Blutmond.

Für über eine Stunde verweilte der Mond im Erdkernschatten. Während der Zeit konnte man gut den Sternenhimmel beobachten. Der Mond leuchtete rötlich am Himmel. Allerdings erschien mir der Mond nicht so wirklich blutrot, sondern eher bräunlich rot.
Dann, gegen halb sechs Uhr morgens trat er langsam wieder aus dem Kernschatten heraus.

Beginn des Austritts aus dem Kernschatten.
Beginn des Austritts aus dem Kernschatten.
Austritt aus dem Erdkernschatten.
Austritt aus dem Erdkernschatten.

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Gegen halb sieben Uhr war die Mondfinsternis dann weitestgehend vorüber, da der Mond um die Zeit den Kernschatten der Erde vollständig verlassen hatte.

Mond mit Nebel.
Mond mit Nebel.

Neben dem Naturschauspiel der Mondfinsternis war noch schön die Bildung von bodennahem Nebel zu beobachten. Die kondensierende Feuchtigkeit schlug sich aber leider auch auf die Kameras und Teleskope nieder. Hier zeigt sich welche wichtige Funktion die Taukappe am Teleskop und der „Russentonne“ hat. Sie verhindert, dass sich an der Objektivlinse Feuchtigkeit niederschlägt. Leider sind die mitgelieferten Gegenlichtblenden der Kameraobjektive als Taukappen ungeeignet (vielleicht bringt der Weihnachtsmann ja mal eine passende Taukappenheizung für die Objektive).
Während sich der wieder volle Mond allmählich am Westhorizont verabschiedete, waren am Osthimmel in der zunehmenden Morgendämmerung die Planeten Venus, Mars und Jupiter zu betrachten.

Venus, Mars und Jupiter über dem Winterstein.
Venus, Mars und Jupiter über dem Winterstein.
Morgenddämmerung.
Morgenddämmerung.

Nach fast 5 Stunden Beobachtung, mit klammen Füßen, feuchten Geräten, aber faszinierenden Eindrücken, beendete ich die Beobachtung und machte mich, die aufgehende Sonne im Rücken, auf dem Heimweg.

Vergleich der scheinbaren Durchmesser des Mondscheibchens während der MoFi 2015 und 2007.
Vergleich der scheinbaren Durchmesser des Mondscheibchens während der MoFi 2015 und 2007.

Zu Hause angekommen, machte ich mich noch am selben Tag an die Auswertung der über 450 Bilder. Der Vergleich der Bilder mit dem 500mm Maksutov-Teleobjektiv zeigte, dass das Mondscheibchen deutlich größer war als bei der MoFi 2007. 2007 stand der Vollmond bei der MoFi in gut 397.000 km Entfernung, am 28.09.2015 war er nur gut 355.000km entfernt.

Wer diese Mondfinsternis verpasst hat, muß jetzt gut 3 Jahre warten, bis zur nächsten von Deutschland aus sichtbaren totalen Mondfinsternis, deren Beginn wir aber leider verpassen, da der Mond dann noch unter dem östlichen Horizont steht. Erst 2019 gibt es die nächste, vollständig sichtbare totale MoFi. Eine MoFi ist auf alle Fälle immer eine Beobachtung wert.

 

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