Teleskopparade Teil 4

Seit den späten 1970’er Jahren interessiere ich mich für Astronomie und habe damals schon mit einem Teleskop, einem kleinen Linsenfernrohr beobachtet. In den frühen 1980’er Jahren kam dazu ein Newtonspiegel dazu. Seitdem haben sich bei mir einige Teleskope angesammelt. Teilweise habe ich diese gekauft, teilweise sind es Teleskope, die mir von ehemaligen Kursteilnehmern überlassen wurden, teilweise auch von Menschen, die diese Teleskope von Angehörigen bekommen haben und selbst nicht viel damit anzufangen wussten. Darunter sind kleine Schätze, nicht gerade von materiellem Wert sondern mehr vom ideellen Wert, da sie auch ganz gut die Geschichte der Amateurteleskope der letzten Jahrzehnte abbilden.

Diese Teleskope möchte ich in einer kleinen Serie nach und nach vorstellen.

Motorisierte Teleskope und GoTo

In den zuvor drei Teilen meiner Teleskopparade habe ich bereits vor allem sehr einfache Teleskope vorgestellt, mit denen ich zum Teil in meiner Anfangszeit als Amateurastronom gearbeitet habe. Da habe ich, vor allem nach einigen Folgen von „Raumschiff Enterprise“, schon bald von einem motorisierten und computergesteuerten Teleskop geträumt. Das wäre doch toll, wenn man ein Fernrohr hätte, das automatisch zu dem gewünschten Objekt hinfährt und es nachführt. Denn das Objekte suchen mit einem kleinen Sucherteleskop und dann das Nachführen mit einem nicht richtig eingenordeten Teleskop war schon sehr mühselig. Aber es hat doch funktioniert. Die Motorisierung der Rektaszensionachse meines in Folge 3 vorgestellten Eschenbach Spiegelteleskop war schon mal ein erster Schritt zu diserer Sorte Teleskopen, in der es in der 4. Folge meiner Serie gehen soll.
Als im Herbst 1988 der Neubau der Bad Homburger Volkshochschule eröffnet wurde und die VHS für die damalige Astronomie AG ein Teleskop kaufte, war es eines für Zeit semiproffesionelles Gerät. Es war ein 4 Zoll Refraktor von Vixen auf einer Great Polaris Montierung mit zwei Motoren für die Rektaszensionsache und für die Deklinationsachse, die über eine Steuerbox angesteuert werden konnten. Die Steuerung führte in Rektaszension nach. Also schon eine Art Teleskop von dem ich träumte. Nur ohne automatische Ausrichtung auf ein Objekt. Dieser Vixen Refraktor war dann Jahrelang das Arbeitstier der öffentlichen Sternführungen der Volkshochschule, die monatlich stattfanden.
In den 1990’er Jahren legte ich mir für meine schon vorhandenen Teleskopen zunächst eine mit Motoren ausgerüstete Vixen Great Polaris Montierung mit Stativ zu, später dann eine Great Polaris Deluxe mit dem Steuerungscomputer Sky Sensor 2000. Damit war der Wunsch nahezu erfüllt. Denn ist die Montierung eingenordet und nach bestimmten Sternen eingerichtet, fährt sie automatisch Objekte an und hält sie im Gesichtsfeld. Über eine Schnittstelle läßt sie sich auch mit einem PC oder Notebook verbinden.
Doch auch bei kleineren Geräten und Teleskopen mit azimutaler Montierung wurde Ende der 1990’er, Anfang der 2000’er Jahre eine Motorisierung und Computersteuerung realisiert. Vorreiter waren hier die Firmen Celestron und Meade/Bresser.

Das Bresser DS/B-80 EC

Das Bresser DS/B-80 EC ist ein kleiner achromatischer Refraktor mit 80 mm Öffnung und 900 mm Brennweite. Zum Zubehör zählen neben dem 90° Zenitspiegel, eine 2-fach Barlowlinse und drei Okulare mit 25 mm Brennweite, 12,5 mm und 4 mm Brennweite, noch mit 24,5 mm Steckdurchmesser. Sowohl an die Azimutachse als auch an die Höhenachse kann man je ein Motor anschrauben, der über eine einfache Handsteuerung von Meade steuern kann. Vier verschiedenen Geschwindigkeiten kann man einstellen. Möglich war auch die Aufrüstung auf den Meade Autostar Steuercomputer. Eine automatische Objekteinstellung ist mit diesem Gerät aber nicht möglich. Die Stromversorgung geschieht über ein Batteriepack oder über einen Netzanschluss.

Das Bresser DS/B-80 EC mit angebauten Steuerungsmotoren.

Die Leistungsdaten in der Übersicht

Seit den 1990’er Jahren bot der Teleskopbauer Meade die ETX Serie von Klein- und Reiseteleskopen an. Hier gibt es sowohl kurzbrennweitige Refraktoren wie auch kleine Maksutov-Cassegrain Spiegel. In 2000’ern wurde diese Serie motorisiert und automatisiert. Diese Teleskope konnte man nun nach dem Himmel einrichten und dann Objekte automatisch anfahren, die dann auch nachgeführt wurden. Solche Art Teleskope nennt man GoTo-Teleskope, da man meist nach Auswahl des Objekts auf der handbox die Taste Go To drückt. Eines dieser Geräte ist das ETX 70, das Ende 2019 zu mir kam.

Das ETX 70 von Meade

Das Meade ETX 70.
Das reisefertige ETX 70 in seinerm Transportrucksack mit Stativ.

Das ETX 70 ist ein kleines aber feines Reiseteleskop das beinahe keine Wünsche offen läßt. Okay, große Öffnung und hohe Auflösung bietet es nicht, aber man kann es überall mit hinnehmen und braucht nicht mal ein Auto zum Transport.
Das Teleskop hat eine Öffnung von 70 mm und eine Brennweite von 400 mm und hat eine umfangreiche Ausstattung an Okularen und weiteren Zubehör. 3 MA Okulare mit 25 mm, 12 mm und 4 mm Brennweite, dazu eine 3-fach Barlowlinse. Für Erdbeobachtung liegt ein 45° Amiciprisma bei. Bei diesem Teleskop kann man über einen Klappspiegel den Strahlengang so verändern, dass man zum Beispiel über einen Adapter eine Kamera anschließen und fotografieren kann und wahlweise auch beobachten kann. Die Stromversorgung geschiet über ein Batteriepack. Die Anfängliche Einrichtung ist recht einfach. Man richtet das Teleskop horizontal und nach Norden aus. Nach Eingabe von Datum, Uhrzeit und Ort fährt das Teleskop einen Stern an und man korrigiert die Einstellung. Am Ende der Prozedur ist das Teleskop bereit für den Streifzug am Himmel.

Die Leistungsdaten in der Übersicht

Die Celestron NexStar Serie

Etwa zur gleichen Zeit brachte der Konkurennt von Meade, die amerikanische Firma Celestron die NexStar Serie heraus. Die Serie besteht aus kurzvrennweitige Refraktoren, Newtonteleskopen und Maksutov-Cassegrain Spiegel auf einer vollständig motorisierten, azimutalen Montierung mit GoTo Funktion. Die Einrichtung des Teleskops ist sogar noch etwas einfacher als bei Meade. Hier kann man einfach bis zu drei helle Sterne anfahren und der Computer erkennt an Hand des Ortes, des Datums und der Uhrzeit welche Sterne man eingestellt hat.

Celestron NexStar 114 SLT

Das Celestron NexStar 114 SLT.

Das Celestron NexStar 114 SLT ist ein Newton-Spiegel mit 114 mm Öffnung und 1000 mm Brennweite. 2 einfache Okulare waren im Lieferumfang enhalten, mit Brennweiten von 25 mm und 9 mm.

Die Leistungsdaten in der Übersicht

Celestron NexStar 4GT

Das Celestron NexStar GT.

Das Celestron NexStar 4 GT ist ein Maksutov-Cassegrain Spiegel mit 102 mm Öffnung und 1350 mm Brennweite. 2 einfache Okulare waren im Lieferumfang enhalten, mit Brennweiten von 25 mm und 10 mm.

Die Leistungsdaten in der Übersicht

Das NexStar GT in parallaktischen Modus.

Das besondere an diesem Teleskop ist die kippbare Montierung, so daß auch ein Betrieb als parallaktisches Teleskop möglich ist. Diese Betriebsart ist auch in der Handsteuerung auswählbar. Damit kann man längerbelichtete Astrobilder machen ohne den Effekt, dass sich das Bild des Objektes verdreht.

Die Teleskope der NexStar SLT Serie gibt es bis heute und wurde um die NexStar SE mit Schmidt-Cassegrain-Spiegel bis 8 Zoll oder 203 mm erweitert. Alle NexStar Teleskope können über entsprechende Kabel mit dem PC oder Notebook verbunden und gesteuert werden.
Gemäß dem Leitsatz „jedes Teleskop findet seinen Himmel“ hat jedes dieser vorgestellten Teleskope seinen eigenen Einsatzbereich. Alle diese Teleskope lassen sich mehr oder weniger Einfach transportieren und überall einsetzen.